„Letzte Generation“ im Gespräch mit Olaf Scholz

Er hat sein Wort gehalten und ist der Einladung zum Gespräch mit dem Klimaaktivisten Hennig und der Klimaaktivistin Lea heute am 12.11.2021 gefolgt. Über den Hungerstreik der „Letzten Generation“ haben wir berichtet. Henning und Lea haben sich inzwischen zwar von allen Strapazen des Streiks erholt, doch die Enttäuschung über die Untätigkeit der Politik ist geblieben.

Im Gespräch mit Herrn Scholz, das durch die Friedrich-Ebert-Stiftung unterstützt und von Martin Schulz eröffnet wurde, sah und hörte man einen wahrscheinlich zukünftigen Kanzler, der die Förderung der Industrie – einer nachhaltigen Industrie – mehrfach betonte. Die Verantwortung zur Sicherung existenzieller Grundbedürfnisse wie die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser hob er deutlich weniger hervor.

Die unterschiedlichen Sichtweisen der aufeinandertreffenden Gesprächsteilnehmer*innen wurden spätestens nach der dritten Wiederholung von Herrn Scholz zur geplanten Umsetzung der Nutzung und Förderung erneuerbarer Energien deutlich. Während Henning und Lea auf ihr Ziel eines politischen Versprechens zur ausreichenden Versorgung mit Nahrung hingewiesen und anhand zahlreicher Beispiele auf die dramatischen Folgen eines verzögernden Handelns aufmerksam gemacht haben, erklärte Herr Scholz, wie wenig sich andere Länder bemühen und manche Menschen sogar die Klimaerwärmung als unrealistisch darstellen – was er selbstverständlich anders sieht – aber um die dramatische Lage zu relativieren, musste es wohl erwähnt werden.

Die von ihm genannte Stahlindustrie ist ein umkämpfter Markt, der in den letzten Jahrzehnten bereits viele Ressourcen verbraucht hat.

Auch die Fragen im Anschluss waren für Herrn Scholz kein Grund zur Beunruhigung. Ein Gast aus Argentinien machte dabei auf die Gefahren von Fracking und den Anstieg der Leukämiefälle in seiner Heimatregion aufmerksam. Auch deutsche Unternehmen seien dort beteiligt, erklärte er. Ebenso sprach eine Frau die Verschlechterung der Lebenssituation indigener Stämme an, die ihre Existenzgrundlagen bedingt durch die Ausbeutung und Zerstörung der Natur verlieren. Auch hier gab es eine abschließende politische Standard-Aussage: „Wir machen schon viel…“

Zuschauerinnen und Zuschauer und alle, die das Gespräch hören konnten, werden mit vielen Fragen zurückgelassen.

Eine wirkliche Übereinstimmung zwischen Politik und realen Lebensbedingungen wird es wohl noch lange nicht geben. Die Erderwärmung wird sich jedoch auf uns alle auswirken, auch auf die Verantwortlichen in den Regierungen und den Konzernen und vielleicht begreift man auch dort irgendwann, was die Kinder und Jugendlichen meinten, als sie auf die Straßen gingen, um für ihre Zukunft zu demonstrieren. Die Aktivistinnen und Aktivisten in Berlin haben gehungert, um zu zeigen, wie sehr unser Lebensraum bereits bedroht ist. (zr)

Weitere Informationen zum Hungerstreik

Das Video zum Gespräch

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