Hungerstreik in Berlin

Wir haben von der Aktion dem „Hungerstreik der letzten Generation“ über Twitter erfahren und uns anfangs gefragt, warum die jungen Leute diesen extremen Weg mit einem ebensolchen Titel wählen.

Nach unzähligen Protesten und nachdem alle vorherigen Versuche eine Veränderung zu bewirken, gescheitert sind, hatte sich eine Gruppe zusammengefunden, um vor der Bundestagswahl 2021 am 26.09.2021 auf die drohende Klimakatastrophe durch einen Hungerstreik aufmerksam zu machen. Die Gruppe agierte unabhängig.

Update 25.09.2021 – 20:10 Uhr: Der Hungerstreik wurde heute Abend  – nach einem Telefonat mit Olaf Scholz und seinem Versprechen nach der Wahl mit den Streikenden ein Gespräch zu führen – beendet! Die Streikenden nehmen wieder Flüssigkeit und Nahrung zu sich. Wir sind, wie viele andere auch erleichtert und wünschen eine gute und schnelle Erholung!

Henning verlangte die Ausrufung des Klimanotstandes – noch vor der Wahl. Er hat sicher recht mit seiner Behauptung, dass wir uns alle in einer kritischen globalen Klima-Situation befinden und die Prognosen denkbar schlecht sind, wenn es keine schnelle Veränderung gibt. Der Klimanotstand liegt in dem Überschreiten der 1,5-Grad-Marke begründet, was bereits zu extremen Wetterverhältnissen geführt hat. Ein weiterer Anstieg der globalen Temperaturen hätte sehr viel schneller noch extremere Wetterbedingungen zur Folge.

In der aktuellen und zukünftigen globalen Entwicklung spielt gerade die jüngere Generation eine entscheidende Rolle und welche Lebensbedingungen ihnen zugemutet und hinterlassen werden, zeigt, wie wenig geschätzt und respektiert die Zukunft wirklich wird.

Wir müssen alle dafür sorgen, dass unsere Umweltbedingungen ein lebenswertes Dasein ermöglichen. Die Politik alleine wird es nicht schaffen. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und lernen, uns den zukünftigen Herausforderungen zu stellen. (zr)

Am Donnerstag, dem 25. Tag des Hungerstreiks gab es bereits ein Gespräch mit Robert Habeck.

 

Die Geschichte und die Hintergründe bisher

Heute ist der 18.09.2021 und der 20. Tag des „Hungerstreiks der letzten Generation“. So wurde die Aktion von den jungen Aktivistinnen und Aktivisten benannt.

27 Tage lang baten die jungen Frauen und Männer um ein öffentliches Gespräch mit den Kanzlerkandidaten Armin Laschet, Olaf Scholz und der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Es gab ein kurzes Telefonat mit Frau Baerbock, ein kurzes Gespräch mit Olaf Scholz vor einem Auftritt und die geschlossene Rückmeldung, dass man gerne nach der Wahl ein Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit führen könnte.

Doch das ist nicht das, was den jungen Menschen am Herzen liegt. Stellvertretend für die junge Generation hier in Deutschland und weltweit bitten sie um Antworten zu ihren Fragen, die die Zukunft aller betreffen.

Die Wahrheit ist unbequem

Bereits seit einigen Jahren ist man sich auch in Regierungskreisen durchaus bewusst, dass die Erderwärmung eine wesentliche Rolle im weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte spielen wird. Weltweit gibt es Pläne und Strategien, um Veränderungen in einen vorwiegend monetär wertschöpfenden Prozess zu bringen. Wie können wir daran verdienen, statt wie gelingt uns die Wende, bevor es zu spät ist. Es wird nach wirtschaftlichen Faktoren abgewogen, es werden Absichtserklärungen unterzeichnet, Verträge geschlossen und Konzepte erstellt, die wir alle dann bitte als große Leistung anerkennen und abnicken sollen.

Die Natur stellt gerade eigene Regeln auf 

Laut aktuellen wissenschaftlichen Berichten verändert sich das Klima durch einen weiter ansteigenden CO2-Ausstoß mit einer rasanten Geschwindigkeit. Der Kipppunkt, das heißt der Moment, an dem der natürliche Regulationsmechanismus der Erde ausfällt, wird bei gleichbleibendem Verhalten und konstanten Emissionen bereits in spätestens 9 Jahren erreicht sein. Der Weg dorthin wird begleitet von extremen Klima-Schwankungen, Hitze und Trockenheit auf der einen und extreme Niederschläge und Stürme auf der anderen Seite. Wird die „torkelnde Erde“ weiter mit CO2 belastet, kippt das System. Der Golfstrom steht still, es findet kein klimatischer Austausch mehr statt und die Erde wird unbewohnbar.

Noch haben wir die Chance, den Klimakollaps aufzuhalten. Auch das wurde wissenschaftlich bestätigt. Dazu müssen wir die Umweltbelastungen sofort reduzieren. Autos stehen lassen, wann immer es möglich ist, auf regenerative Energien umstellen, weniger verschwenden, auf nachhaltige Produkte achten und am 26.09.2021 eine gute Wahl treffen. Der oder die Kanzler/in entscheidet in den nächsten 4 Jahren über unser aller Leben. Darauf wollten die Hungerstreikenden aufmerksam machen. Vor der Wahl wollten sie wissen, wem sie vertrauen können. Sie wollten über Fakten diskutieren und keine Ausreden mehr hören.

Jetzt liegt es wirklich an uns allen, dass wir Antworten fordern für eine wirkliche Klimawende.

Wir müssen auch uns selbst hinterfragen, was uns wirklich wichtig ist, was wir brauchen und was wir meinen brauchen zu müssen.

Es liegt an jedem Einzelnen, ob wir die Welt durch weniger Emissionen entlasten und stabilisieren oder weiter belasten und die Lebensgrundlagen aller Menschen unwiederbringlich ruinieren werden. Die Politik stellt jetzt die Weichen. (zr)

Video zur politischen Reaktion

IPCC- Weltklimabericht

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