Unterwegs trotz Corona

Zu Hause zu bleiben, insbesondere wenn sich Symptome einer Infektion zeigen, sollte inzwischen selbstverständlich sein. Doch was, wenn sich unterwegs erst eine Infektion bemerkbar macht? Auch ein negativer Covid-19-Test schließt leider keine "frische" Infektion aus. Auch ohne Symptome können Infizierte in der Phase einer Antikörperentwicklung (etwa eine Woche nach Symptombeginn) Virusüberträger sein. Die Inkubationszeit (Zeitraum der Symptom-, bzw. Antikörperentwicklung) beträgt etwa 3 bis 14 Tage, kann jedoch auch verzögert und in unterschiedlicher Ausprägung ablaufen.

Ausgehend von einem symptomfreien Reiseantritt und einem negativen Test, könnte einem erholsamen Urlaub eigentlich nichts im Wege stehen, wären da eben nicht die genannten Unsicherheitsfaktoren.

Der Nachweis von Antikörpern bestätigt, dass eine Infektion gerade aktiv war oder bereits vor einiger Zeit überstanden wurde. Bei einer überstandenen Infektion ist der Organismus in verstärkter Alarmbereitschaft - sobald ein erneuter Virenkontakt besteht. Eine Garantie für einen dauerhaften Immunschutz bietet der Nachweis zwar nicht, das Risiko andere anzustecken, wird jedoch deutlich reduziert.

Für Reisefreudige ohne Antikörper bedeutet das, dass eine Ansteckung jederzeit möglich sein kann und der Verlauf nicht vorhersehbar ist. Ob als Alleinreisender oder mit Familie, die Möglichkeit einer Infektion muss einkalkuliert werden. Damit auch eine Erkankung am Urlaubsort. Die Verpflichtung zum Arztbesuch, die Einhaltung der Quarantäne und die Information des zuständigen Gesundheitsamtes gehören dazu. Zusätzliche Folgen könnten die Notwendigkeit von Tests bei allen Mitreisenden, deren Quarantäne und Erkrankung sein. Auch die vorübergehende Schließung der Unterkunft könnte eine mögliche Konsequenz sein.

Konkret bedeutet Reisen in Coronazeiten leider ein schwer überschaubares Risiko. Von den Reisenden selbst über die Mitfahrer*innen - besonders auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Gastgeber, die Gesundheitsinstitutionen bis hin zum Arbeitgeber (bei Quarantäne und Arbeitsausfall) sind viele Menschen in den Ablauf involviert.

Die Beherbergungsbranche leidet seit dem Ausbruch im Frühjahr bereits unter dem Buchungsrückgang. Ganze Regionen sind durch die fehlenden Touristen in einem Dilemma. Die Gäste fehlen, Veranstaltungen werden abgesagt, der Umsatz fehlt, die Fördermittel sind eben nur Überbrückungsgelder und keine dauerhafte Lösung. Die für uns eigentlich selbstverständliche Freiheit wird plötzlich extrem eingeschränkt und eine Existenzangst macht sich breit. Alles ausgelöst durch einen winzigen Erreger.

Ergänzung (05.12.2020): Die Tourismusbranche hat sich in den letzten Monaten intensiv mit den Hygienemaßnahmen beschäftigt und wäre auf Übernachtungsgäste - unter Einhaltung der Auflagen - eingestellt. Ob die Feiertage jedoch die Umsatzeinbußen und Investitionen der letzten Monate ausgleichen könnten und ob durch die erwartete Vielzahl an Kontakten zu Weihnachten im privaten Bereich das erhöhte Risiko für alle Gäste zu tragen wäre, bleibt eine schwere Entscheidung. Das Infektionsgeschehen vor Ort kann nur einen Anhaltspunkt geben, das Verhalten der Menschen im Kreis ihrer Angehörigen, das gegenseitige Verwantwortungsbewußtsein und die Einhaltung der Regeln bestimmen letztendlich den weiteren Verlauf der Pandemie und somit auch die langfristigen Perspektiven.

Die Gesundheitsämter in den Landkreisen der Bundesländer haben bei steigenden Infektionszahlen eine Mammut-Aufgabe zu meistern. Die Nachverfolgung von Kontaktpersonen der auf Covid-19 positiv Getesteten ist kaum zu schaffen. Die Corona-Warn-App sollte den Prozess unterstützen, indem sich durch die App identifizierte und informierte Personen testen lassen. Die Arbeit wird jedoch dadurch nicht weniger.

Je mehr Menschen in kurzer Zeit infiziert werden, umso größer ist eben auch die Wahrscheinlichkeit, dass viele eine ambulante oder auch stationäre medizinische Behandlung benötigen. Noch (Stand 18.10.2020) kann Deutschland auch Patienten/innen aus Nachbarländern aufnehmen. Bei einer weiteren explosionsartigen Zunahme sind nicht nur die personellen Reserven sondern auch die Aufnahmekapazitäten schnell erschöpft.

Die Entwicklung der Infektionszahlen können Sie hier sehen. (engl.)

Aktuell wurden 61880 Menschen mit leichten Symptomen diagnostiziert und 730 mit ernsten Beschwerden.
Etwa 80% der Erkrankten zeigt Erkältungssymptome bis hin zu grippalen Symptomen mit Fieber, Husten und Schmerzen. Von ernsten Beschwerden sprechen Mediziner bei Lungenentzündung, Herz-Kreislauf-Schwäche, Stoffwechselentgleisungen, Organversagen und Sepsis. Bei Vorerkrankungen, Organschäden und Co-Faktoren, wie bestehenden Infektionen mit bakteriellen oder viralen Erregern, bei onkologischen Erkrankungen, nach Operationen oder Unfällen ist das Risiko von Komplikationen entsprechend hoch.

 

Covid-19 ist nicht mit anderen Erkrankungen vergleichbar, denn noch wissen wir viel zu wenig über die Langzeitfolgen im Organismus. Covid-19 ist nicht sofort erkennbar und zeigt sich im Erkrankungsverlauf mit unterschiedlicher Ausprägung. Wer bereits Antikörper entwickelt hat - und das ohne gravierende Symptome - kann die Situation vielleicht etwas gelassener sehen. Dennoch besteht auch hier weiterhin das Risiko einer Neuinfektion und die Hygieneregeln sollten weiter eingehalten werden. Für alle anderen gilt weiterhin höchste Vorsicht, zu Hause und auf Reisen. (zr)

Ansprechpartner in der Region finden Sie hier

Covid-Verdacht bei Bahnreisenden - Aussteigekarte -Schienenverkehr

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