Umgang mit der Pandemie

Wir alle sind an einem Punkt, an dem wir uns nach einer Normalität sehnen – an dem wir die Diskussionen um Corona leid sind. Die Pandemie ist mit vielen Belastungen verbunden und verlangt uns allen viel ab.

Keiner konnte Weihnachten 2019 vermuten, was sich im Februar 2020 auch bei uns anbahnen würde. Nach harten Wochen der Anstrengung und des Verzichtes schien das Schlimmste der Corona-Pandemie vorerst überwunden. Die Lockerungen im Sommer 2020 und die damaligen Freiheiten haben viele die Dramen vom Frühjahr vergessen lassen. Ausreichende Vorbereitungen für den Herbst wurden dabei leider versäumt, ein erneuter Lockdown und hohe Todesfallzahlen waren die Folge. Der lange und kalte Winter 2020/21 wurde mit Hoffnung auf einen Impfschutz etwas erträglicher. Jetzt haben wir das zweite Jahr mit Covid-19 fast hinter uns. Doch noch immer scheint es, als wäre das Virus in der Lage jede Abwehrlücke zu nutzen, um sich weiter auszubreiten.

Die aktuelle Situation:

  1. Die Pandemie steuert in die vierte Welle.
  2. Die neuen Varianten haben es auf alle Altersklassen abgesehen und verbreiten sich noch schneller.
  3. Eine ausreichende Immunisierung konnte bisher nicht erreicht werden.

Update: Die vierte Welle übersteigt alles, was bisher vorstellbar war. Am Samstag dem 27.11.2021 wurden 67.125 Neuinfektionen gemeldet, die Inzidenz steigt bundesweit auf 444,3, die Infektionsrate liegt bei 6,9, die Letalitätsrate bei 1,8%. Bundesweit gibt es 100.779 Todesfälle seit Beginn der Pandemie, wieder sind 303 Menschen an oder mit Covid-19 verstorben. Sachsen mit einer Inzidenz von 1202,1 und einer Infektionsrate von 11,9% und einer Letalitätsrate von durchschnittlich 2,3 % zeigt deutlich, wie sehr die Einstellung vieler Menschen die Lage verschlimmert. Die Kliniken fast aller ostdeutscher Bundesländer sind überlastet und bundesweit muss nach Intensivbetten gesucht werden. Doch nicht alle Patient*innen sind transportfähig. Es werden in den nächsten Wochen viele Menschen sterben, die aufgrund ihrer ablehnenden Haltung zur Impfung und den nötigen Maßnahmen ihr eigenes Leben in Gefahr gebracht haben. Die Folgen für das familiäre Umfeld, für die behandelnden Ärzt*innen und die Gesellschaft haben sie dabei völlig ignoriert. Jeder vermeidbare Tod ist ein Verlust und ein trauriges Ereignis, das jeden Menschen mit einem Funken Mitgefühl berührt. Und zu wissen, dass Fehlinformationen und eine unseriöse Beeinflussung in einzelnen Gruppen mit dazu beigetragen haben, macht fassungslos.

Welche Perspektiven gibt es langfristig?

Mit den Impfstoffen stehen uns seit diesem Jahr neue Möglichkeiten zur Verfügung. Je mehr Menschen geimpft sind, um so größer ist der Schutz für alle. Auch eine überstandene Erkrankung aktiviert die Antikörper-Bildung, eine Infektion kann jedoch mit einem höheren Risiko für Folgeerkrankungen verbunden sein. Deshalb ist ein konsequenter Schutz durch Hygienemaßnahmen und das Tragen einer Maske in Innenräumen und im direkten Kontakt mit anderen weiterhin wichtig.

Wie müssen wir uns jetzt verhalten?

Das regelmäßige Testen sollte zur Routine werden – in Betrieben, in der Alten- und Krankenpflege, bei Menschen, die einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, in Kitas und Schulen. Abstand und Mundschutz sind jetzt nochmals wichtig.

  1. Vollständige Impfungen können zu einem milderen Verlauf der Covid-Erkrankung beitragen.
  2. Lockerungen sind möglich, wenn eine Immunisierung oder ein Test das Erkrankungsrisiko auf ein Minimum reduzieren.
    (Aktuell, Stand 27.11.2021 sind Lockerung sicher keine Option mehr.)
  3. Die Informationen zur Lage müssen klar und nachvollziehbar formuliert werden, damit allen die aktuelle Situation und die Notwendigkeit der Maßnahmen bewusst ist.

Was wir jetzt brauchen:

Wir alle brauchen überzeugende Lösungen, Verständnis, Unterstützung, Mitgefühl und Aufrichtigkeit. Nachvollziehbare Fakten, klare Regeln.

Welche Perspektiven gibt es langfristig in Betrieben?

Die Erfahrungen des letzten Jahres haben Spuren hinterlassen – in allen Bereichen.

Wer weiterhin ein Geschäft, einen Gastro- oder Hotelbetrieb betreiben oder eine Dienstleistung mit direktem Kundenkontakt anbieten möchten, wird ohne ausgefeiltes Hygienekonzept und ohne Voranmeldung – inklusive Erfassung aller relevanter und wahrheitsgemäß übermittelter Kundendaten – kein erhöhtes Risiko mehr eingehen können und wollen. Ob 2G (geimpft oder genesen) sein muss oder auch 3G (geimpft, genesen oder getestet) ausreichen, werden die nächsten Wochen zeigen.

In Praxen und im medizinischen Bereich?

Für Menschen mit Vorerkrankungen gestaltet sich die Situation bereits seit Beginn der Pandemie schwierig. Im medizinischen Bereich sollte eine besondere Rücksichtnahme erfolgen. Die digitale Patientenberatung sollte sich etablieren. Für Untersuchungen und Behandlungen könnten zeitlich begrenzte Sondersprechstunden einen besseren Schutz bieten. Im gesellschaftlichen Rahmen können Kontakte zu Gleichgesinnten und Selbsthilfegruppen unterstützen. Die Überlastung der Kliniken ist eine Gefahr, die es unbedingt zu vermeiden gilt. Denn jeder Mensch mit einer  Erkrankung sollte weiterhin eine Chance auf eine gute Behandlung bekommen. Besonders bei Notfällen ist eine Versorgung entscheidend für den Verlauf. Bei einem unkontrollierten Anstieg der Covid-19-Fälle kann es zu einem Auswahlverfahren (Triage) kommen, das sicher niemand will.

In den Bereichen Bildung und Betreuung?

Das Bildungssystem kann weiterhin von der neuen Lehr- und Lernweise und digitalisierten Angeboten profitieren. Zeitgemäße Konzepte sind in vielen Bereichen überfällig, auch die Schüler*innen können durch die persönlichen Erfahrungen aktuell neue Anreize dazu liefern, wie Fernunterricht besser gestaltet werden könnte. Auch das ergänzende Lernen und gemeinsame Aktivitäten in kleineren Gruppen könnten hilfreich sein.

Eine gute Kinder-Betreuung zur Unterstützung berufstätiger Eltern ist wichtig. Eine Anpassung der Arbeitszeiten sollte im digitalen Zeitalter in vielen Berufen kein Problem mehr sein. Eine sichere Vernetzung und Homeoffice sind möglich, ebenso ein digitaler Unterricht, das haben die bisherigen Erfahrungen gezeigt.

Die Pandemie trifft alle – in allen Lebensbereichen – weltweit.
Wir werden gemeinsam auch diese Welle überstehen, wenn wir aufeinander achten und uns gegenseitig schützen.

Die schlimme Tat im September in Idar-Oberstein darf sich niemals wiederholen. Aufklärung ist hier besonders wichtig.
Argumente wie das Warten auf einen besseren Impfstoff, auf ein besseres Medikament oder auf neue Forschungsergebnisse verlängern und verschlimmern die Pandemie und gefährden in erster Linie die Menschen, die auf Unterstützung und ein solidarisches Verhalten angewiesen sind. Viele Medikamente, die bei einer Covid-19-Erkrankung eingesetzt werden, können Nebenwirkungen verursachen. Der in Mainz entwickelte mRNA-Impfstoff gehört zu einer der sanftesten und inzwischen besterprobten Arzneimittelkategorien weltweit. Bei einer entsprechenden ärztlichen Aufklärung, einer gegebenenfalls nötigen Vorbereitung oder der Einhaltung von Verhaltensregeln nach der Impfung ist das Risiko einer unerwünschten Reaktion selbst bei bekannten Vorerkrankungen verschwindend gering. Die Behandlung nach einer Covid-Infektion kann sich dagegen über viele Jahre hinziehen und die langfristigen Folgen für das Immun- und Organsystem durch das Virus zeigen sich bereits jetzt an vielen Long-Covid-Fällen.

zr- 08.11.2021

Update vom 27.11.2021

Informationen zur neuen Virus-Variante hier

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