So ernst ist die Lage auch bei uns

Bereits Ende November hat die Kreuznacher Diakonie über die die Deutsche Presseagentur eine Meldung mit einem eindringlichen Appell an die Bevölkerung herausgegeben. Bereits lange vor Weihnachen waren die Kapazitäten an Betten und Personal nahezu erschöpft. Das Zentralregister für Intensivbetten (DIVI) meldet aktuell im Diakoniekrankenhaus keine freien Intensiv-Betten (Stand 03.01.2021), im zweiten Krankenhaus vor Ort (Marienwörth) ist die Ampel auf gelb, was bedeutet, dass auch hier bald eine komplette Auslastung erreicht ist. Die Zahlen steigen. Wie zu erwarten werden die Weihnachtsfeiertage bereits abgebildet. Die Situation wird sich in den nächsten zwei bis drei Wochen vermutlich nochmals verschärfen.

Was bedeutet das für uns?

Auch in Notfällen wird abgewogen, ob eine stationäre Aufnahme überhaupt erfolgen kann. Bestenfalls wird es zu einer Weiterleitung an eine Klinik mit (noch) freien Kapazitäten kommen. Ob dort eine entsprechende Versorgung möglich ist und ob Besuche stattfinden können, ist dann ebenfalls offen. Generell gibt es derzeit eingeschränkte Besuchsregeln in Ausnahmefällen. Für alle anderen gilt ein striktes Besuchsverbot.

Update: Bericht der Landesregierung RLP vom 24.02.2021

Eine dramatische Entwicklung

Sollten die Zahlen der Covid-19-Fälle weiter steigen, steigt auch die Zahl der Behandlungsbedürftigen und auch der Todesfälle. Viele andere Erkrankungen können zudem nicht mehr mit der notwendigen Aufmerksamkeit versorgt werden. OP-Termine werden weiter verschoben, Untersuchungen finden nicht oder nur eingeschränkt statt. Die gesamte Versorgungsqualität leidet. Die personellen Ressourcen werden überstrapaziert. In der bisherigen politischen Debatte werden diese Punkte nur am Rande erwähnt, wenn überhaupt.

Bisherige Maßnahmen

Niemand hatte im Dezember 2019 und auch in den Monaten danach eine Vorstellung davon, wie sich das Leben durch dieses neue Virus verändern wird. Viele liebgewonnene und selbstverständliche Freiheiten mussten sich dem Pandemiegeschehen unterordnen. Die Versuche der Regierungen des Bundes und der Länder den Menschen zum Trost – aus einer sicheren beruflichen Position heraus – ein paar nettgemeinte Worte zu “spenden”, waren möglicherweise wirklich “gut gemeint”,  einheitliche Konzepte und eine entsprechende Umsetzung haben gefehlt. Angefangen bei der bei der Ausstattung von Klinik- und Pflegepersonal, bei der Unterstützung der Gesundheitsämter, bei der “Maskenpflicht”, beim Schutz von Kindern, ErzieherInnen und Lehrkräften in Kitas und Schulen, bei der Umsetzung einer einheitlichen Teststrategie, bei der Durchsetzung eines konsequenten Lockdowns, bei der Aufklärung zu Impfungen und der Beschaffung von Impfstoffen und nicht zuletzt auch bei der Einschränkung von Versammlungen. Die zur Verfügung gestellten Unterstützungsgelder konnten in vielen Fällen die Verluste nicht abfangen. Mit einer entsprechenden Insolvenzwelle wird für 2021 gerechnet.

Statt einen bereits vorliegenden Pandemieplan zu bemühen und diesen Schritt für Schritt umzusetzen, wurde der Schwerpunkt auf die “gewinnbringenden” Maßnahmen gelegt. Die deutsche Corona-Warn-App, die Impfstoffentwicklung, das deutsche Erfolgskonzept. Arroganz ist nicht nur hier völlig unangebracht. Andere Länder schaffen mehr, haben bereits eine sehr gute digitale Infrastruktur, ein funktionierendes Versorgungssystem und pflegen eine konsequente und dennoch vertrauensvolle, transparente Kommunikation. Dinge schön zu reden, die es nicht sind und Menschen ohne Erklärung in den wirtschaftlichen Ruin zu treiben, ist schwer hinzunehmen.

Den Begriff der Demokratie als Erklärung für Parteiengerangel zu nutzen, statt den wesentlichen Punkten die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, Provokateuren Freiheiten zu lassen, die anderen untersagt sind, wichtige Zeit verstreichen zu lassen, um der eigenen Eitelkeit zu fröhnen und Wahlkampf auf Kosten von Kranken und Verstorben zu betreiben, all das hat die Pandemie 2020 weltweit begleitet.

Bei allem Leid und allen bisherigen Schwierigkeiten bisher – wir hatten Glück. Dahingehend, dass SARS-CoV2 in vielen Fällen mild verläuft und die Wissenschaft in vielen Bereichen eine gute Vorarbeit geleistet hat.

Die Kampagnen zur Aufklärung und zum Schutz waren oftmals verwirrend. Die Kommunikation hat viele Fragen offen gelassen. Das Zahlenwirrwarr ist bis heute für viele unverständlich geblieben. Inzidenzwerte weit über die festgelegte Grenze von 50:100.000 Einwohner ohne entsprechende Maßnahmen zu tolerieren, mit vorhersehbaren Folgen, erschließt sich vielen nicht.

Die Impfung gegen Covid-19 befindet sich nach wie vor in einer Prüfungsphase

Noch weiß niemand wirklich, welche Reaktionen nach einem millionenfachen Einsatz eines neuen Wirkstoffes zu erwarten sind. Um die Pandemie durch Impfungen langfristig bekämpfen zu können, müsste das Virusverhalten absolut kontrollierbar sein. Die bisher bei SARS-CoV-2 aufgetretenen unzähligen Mutationen lassen jedoch darauf schließen, dass die SARS-CoV-2-Viren sehr flexibel agieren und immer wieder neue Wege finden, um eine weitere Verbreitung sicher zu stellen. Genauso flexibel muss ein Impfstoff gegen Covid-19 möglicherweise in einem noch nicht festgelegten wiederkehrenden Turnus angepasst und verabreicht werden. Jeder Mensch hat eine eigene genetische Struktur, ein eigenes Organ- und Abwehrsystem. Die personalisierte Medizin ist in vielen Bereichen ein Zukunftsthema. Individuelle Impfstoffe wird es in absehbarer Zeit vermutlich nicht geben, die Auswahl wird sich jedoch bald vergrößern. Neben den Impfwirkstoffen spielen die Zusatzstoffe eine zusätzliche Rolle.

Perspektiven

In den nächsten Jahren wird sich die Aktivität von SARS-CoV-2 weiter fortsetzen. Wir leben in einer globalen Welt und müssen alle lernen, mit den damit verbundenen Gefahren umzugehen. Gegen unzählige Erreger gibt es weder ein wirksames Medikament noch eine Impfung. Entscheidende Faktoren sind das eigene Verhalten, Hygiene und die persönliche Konstitution. Ebenso wichtig ist und bleibt jedoch ein verantwortungsvolles Miteinander. (zr)

 

 

Quellen:

Pandemieplan

Daten zu Corona

https://www.t-online.de/region/id_89029328/corona-kreuznacher-diakonie-appelliert-an-die-bevoelkerung.html

zukunft-regional
No Copyclick -  sorry!