Help@Covid App

Mobile Hilfe für die Psyche mit der Help@Covid App

Theresa Mair Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Universität Innsbruck

Depressionen, Angststörungen, Long COVID: Die Pandemie hinterlässt mitunter tiefe Spuren in der Psyche vieler Menschen. Doch es fehlen Psychotherapie-Plätze, die für alle leistbar sind. Vor diesem Hintergrund hat die Universitätsklinik für Psychiatrie II an der Medizinischen Universität Innsbruck ein unterstützendes Videoportal eingerichtet, das nun um die erste derartige mobile App in Österreich erweitert wurde.

Innsbruck, 16.11.2021: Am ersten Tag des ersten Lockdowns im März 2020 stellte ein Team der Univ.-Klinik für Psychiatrie II einfache Therapieanleitungen und anschließend eine Reihe selbstproduzierter Videos mit Informationen online. Ziel des stetig weiterentwickelten Videoportals war und ist es, Erwachsene, die in der Corona-Pandemie psychische oder psychosomatische Beschwerden haben, zu unterstützen. In Anbetracht der momentan hohen Infektionszahlen, Quarantäne bzw. freiwilliger Selbstisolation hat diese Interventionsplattform mit konstant 70 bis 100 Zugriffen pro Tag nichts an Relevanz und Aktualität eingebüßt. Nach dem derzeitigen Erfolg der Online-Interventionsplattform soll der inhaltliche Fokus künftig auf die Langzeitbegleitung und die Reduktion von Langzeitfolgen gelegt werden.

PatientInnen, die infolge einer SARS-Cov2-Infektion mit Long COVID konfrontiert sind und Menschen, die aufgrund der komplexen Situation psychosozialen Stress erleben, bietet das Portal rasche, niederschwellige Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir leisten damit einen Beitrag im Sinne der Aufklärung und Prävention von psychischen Störungen und Krankheiten. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil es in Tirol und Österreich bekanntlich einen chronischen Mangel an leistbaren Therapieplätzen für alle Betroffenen gibt“, sagt Barbara Sperner-Unterweger, Direktorin der Univ.-Klinik für Psychiatrie II. Ab sofort ist es möglich, die kurzen Clips immer und überall auf Smartphone und Tablet anzuschauen. Gemeinsam mit der Firma ESD erweiterten die ExpertInnen der Univ.-Klinik für Psychiatrie II das Angebot auf eine kostenlose mobile App für iOS (ab sofort) und Android (in Kürze), die unter Help@Covid in den Stores von Apple und Google heruntergeladen werden kann.

Maßgeschneidertes Hilfsangebot
Die Help@Covid App ist die erste in Österreich, die spezifisch auf die Unterstützung von psychisch kranken und belasteten Menschen in der Pandemie zugeschnitten ist. Sie bietet eine Reihe von psychoedukativen Videos zu Themenbereichen wie „Ängste und Sorgen“, „Tagesstruktur“, „Fehler und Schuld“. Daneben stehen viele Tools zur Verfügung, mit deren Hilfe die NutzerInnen ihren Zustand selbst einschätzen und den Verlauf ihrer Belastung beobachten können. Begleitend zu den Videos ist es nach wie vor möglich, freiwillig Selbstevaluationen zu den Symptomen auszufüllen. Im Anschluss erhält man eine automatisierte Rückmeldung, die dabei hilft, sich selbst einzuschätzen: Wo stehe ich? Wie entwickle ich mich? Brauche ich therapeutische Hilfe? Neu ist, dass man die Auswertung der Fragebögen speichern kann und somit einen Überblick über den Verlauf der Belastung erhält. „In Kliniken und im niedergelassenen Bereich können PatientInnen die Ergebnisse ihrer Fragebögenevaluierungen einbringen und bei Bedarf besprechen. Dadurch können MedizinerInnen und TherapeutInnen gezielter auf den individuellen Krankheitsverlauf eingehen und gegebenenfalls Risikofaktoren früher erkennen“, sagt Mátyás Gálffy, Assistenzarzt an der Univ.-Klinik für Psychiatrie II und einer der Mitbegründer des Projekts.

App kann Diagnose nicht ersetzen
Wichtig: Die App stellt keine Diagnose! Ergibt die Auswertung der Fragen jedoch, dass die Nutzerin oder der Nutzer Gefahr läuft, sich selbst oder anderen zu schaden, stellt die App konkrete Hilfsangebote und Kontaktadressen zur Verfügung. „Wir denken auch daran, das Angebot künftig für weitere Störungsbilder auszubauen, auch eine telemedizinische Sprechstunde wäre möglich“, stellt Sperner-Unterweger in Aussicht Die App wurde finanziell maßgeblich vom Austria Wirtschaftsservice (AWS) unterstützt. Bei der Programmierung der Help@Covid App wurden aktuellste Sicherheitsstandards und die Datenschutz-Grundverordnung berücksichtigt. „Die Kommunikation der NutzerInnen erfolgt ausschließlich über eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Diese garantiert, dass die Daten nicht von Dritten empfangen werden können“, sagt Bernhard Holzner, der im Team unter anderem für die technische Umsetzung verantwortlich zeichnete.

Psychische Belastung in der Corona-Pandemie
Analysen der bisherigen Daten der Interventionsplattform haben gezeigt, dass vor allem Frauen unter 35 Jahren und ohne psychische Vorerkrankungen auf das Angebot ansprechen. Dies entspricht auch den Ergebnissen von Studien, die an der Medizinischen Universität Innsbruck in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie durchgeführt worden sind. „Es gibt direkte und indirekte Wege, auf denen das Virus die Psyche angreifen kann. Zum einen ist das Virus neurotoxisch, es greift also die Nervenstrukturen an. Chronisch-entzündliche Vorgänge im Körper können zu psychischen Veränderungen führen, die zum Beispiel ein ängstliches oder depressives Verhalten zur Folge haben. Das andere ist die psychosoziale Belastung durch die Corona-Maßnahmen als indirekte Begleiterscheinung des Virus“, sagt Sperner-Unterweger. Eine Zwischenauswertung der großangelegten, noch laufenden „Gesundheit nach COVID-19 in Tirol“-Studie zeigt, dass psychosozialer Stress den größten Risikofaktor darstellt, psychisch krank zu werden. Vor allem Personen, die bereits vor ihrer Erkrankung mit COVID-19 unter Angststörungen oder Depressionen litten, entwickelten infolge der Infektion noch stärkere psychische Symptome, die mindestens zwei Wochen nach überstandener Erkrankung noch anhielten. Für jene Betroffene, die während der Erkrankung starke neurokognitive Symptome durchmachen, sowie psychosomatische Symptome haben, ist die Gefahr größer, Depressionen und Angststörungen zu entwickeln. Eine zunehmende Herausforderung sehen die ExpertInnen in der Bewältigung der langfristigen Folgen der Corona-Pandemie.

Pressebilder zum Herunterladen:
https://www.i-med.ac.at/pr/presse/2021/54.html

Medienkontakt:
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Theresa Mair
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Details zur Medizinischen Universität Innsbruck
Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 2.200 MitarbeiterInnen und ca. 3.400 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.
Seit Herbst 2011 bietet die Medizinische Universität Innsbruck exklusiv in Österreich das Bachelorstudium „Molekulare Medizin“ an. Ab dem Wintersemester 2014/15 kann als weiterführende Ausbildung das Masterstudium „Molekulare Medizin“ absolviert werden.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck ist im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.



Weitere Informationen:

https://www.psychosomatik-innsbruck.at/ Help@Covid Webseite
http://Help@Covid APP für iOS: ab sofort verfügbar
http://Help@Covid APP für Android: in den kommenden Tagen verfügbar

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