Grenzen aus Papier sortieren Menschen aus

24.08.2021 11:16

Hans-Christoph Keller Kommunikation, Marketing und Veranstaltungsmanagement
Humboldt-Universität zu Berlin

Der HU-Forscher Steffen Mau zeigt in seinem neuen Buch, warum Mobilität ein Privileg reicher Gesellschaften ist und der Geburtsort oft über die Bewegungsfreiheit der Menschen entscheidet. Aktuelles Beispiel: Afghanistan.

Steffen Mau hat mit „Sortiermaschinen“ ein Buch über die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert geschrieben. Darin zeigt er, wie Grenzen und Grenzkontrolle unter den Bedingungen der Globalisierung umgebaut werden. Grenzzäune, die räumliche Verlagerung von Kontrolle und Smart Borders sorgen dafür, dass Menschen immer stärker den Logiken des Sortierens unterworfen werden.

Nachdem sich die nationalstaatlichen Grenzen mit der Globalisierung zu öffnen schienen, sind neue physische Fortifizierungen, aber auch Mauern aus Papier und Daten entstanden. Diese schließen aus, drängen zurück und filtern zwischen Willkommenen und Unwillkommenen. Dadurch ist Mobilität für Menschen in Afrika, Asien oder Südamerika oftmals ein Privileg, für das sie hart kämpfen müssen, während Menschen in westlichen Gesellschaften es einfach bekommen.

Menschen sind abhängig von globalisierten Grenzregimes

Sichtbar wird dies etwa an den Außengrenzen der EU. Dort finden sich riesige Lager, in denen Menschen unter äußerst prekären Umständen leben – etwa im griechischen Moria. Auch die katastrophale Situation in Afghanistan – und konkret in Kabul – zeigt, wie sehr Menschen, die das Land verlassen wollen, abhängig von globalisierten Grenzregimes sind, die territoriale Kontrolle und Selektivität durchsetzen. Sie sind Opfer machtvoller Sortiermaschinen, werden gleichsam immobilisiert. Obwohl sie zum Beispiel schnell Visa bekommen sollten, hemmt die Bürokratie die nötige und eigentlich einfach zu realisierende Mobilität.

Mehr dazu in folgendem Interview. Darin erläutert der Leibniz-Preisträger und viel beachtete Makrosoziologe seine neuesten Forschungsergebnisse:

Das Interview mit Steffen Mau lesen: https://www.hu-berlin.de/de/pr/nachrichten/august-2021/nr-21818

Prof. Dr. Steffen Mau ist am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich Makrosoziologie als Lehrbereichsleiter tätig. Sein Buch „Sortiermaschinen. Die Neuerfindung der Grenze im 21. Jahrhundert“, ist ab 26. August im Verlag C.H.Beck erhältlich: Klappenbroschur, 189 Seiten mit fünf Abbildungen, 14,95 €.

Weitere Informationen
Zur digitalen Buchpremiere am 26. August um 19.00 Uhr:
https://www.youtube.com/watch?v=yi_qEX_OH9g

Pressekontakt
Hans-Christoph Keller
Pressesprecher Humboldt-Universität zu Berlin,
E-Mail: pr@hu-berlin.de

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