Es ist kein Spiel – ein offener Brief

Liebe Politiker*innen, liebe Entscheider*innen,

seit dem Beginn der Pandemie wird die Leistung der Menschen in systemrelevanten Bereichen von vielen als selbstverständlich betrachtet. Das erhöhte Risiko einer Ansteckung nimmt man hin. Die Arbeitnehmer*innen leisten einen enormen Beitrag zur Versorgung aller.

Mit einer priviligierten Stellung und einer gesicherten Versorgung bis zum Lebenende kann man möglicherweise ruhiger und gelassener abwarten, wie sich alles entwickeln wird. Einige von Ihnen sind sogar der Meinung, wir sind bisher gut durch die Pandemie gekommen – ob man davon wirklich reden kann, bei mehr als 50.000 Toten (Stand Januar 2021) und einer drohenden Insolvenzwelle – ganz sicher nicht!

  • Menschen in Pflegeheimen leben seit Monaten unter isolierten Bedingungen und in Angst.
  • Pflegepersonal arbeitet unter ständiger Anspannung seit Monaten am Limit.
  • Menschen in systemrelevanten Berufen nehmen hohe Risiken in Kauf.
  • Kleine Unternehmen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.
  • Kinder stehen in unserem System bereits sehr früh selbst in der Verantwortung, um für ihre eigene Gesundheit, ihre Bildung und ihre Zukunft zu sorgen. Maßnahmen zur Verbesserung der Betreuung und des Schulsystems wurden von politischer Seite viele Jahre nach hinten gestellt.
  • Die Digitalisierung ist in Deutschland noch immer nicht überall angekommen.
  • In vielen Bereichen verhindert ein ignorantes Denken den Fortschritt.

 

So ernst ist es wirklich

Der Umgang mit den Menschen, die Ihnen im Vertrauen eine Stimme gegeben haben, ist eine Sache. Der Umgang mit dem Erreger eine andere.
2020 waren wir am Beginn einer globalen Entwicklung. Bis zum Jahresende 2020 hat sich wenig getan, um die Situation in allen genannten Bereichen zu verbessern. Die Impfstoffentwicklung wurde priorisiert und alle weiteren Schritte wurden als weniger notwendig eingestuft. Die eigentlichen Gefahren wurden übersehen.

  • Virusmutationen entstehen durch Nachlässigkeit.
  • Ohne wirksamen Behandlungsansatz stehen wir mit den aktuellen Mutationen erneut am Anfang, diesmal mit einem noch höheren Übertragungsrisiko.
  • Mit einem überlasteten Gesundheitssystem und bereits erschöpften personellen Ressourcen werden die
    Todeszahlen noch schneller steigen und auch viele Jüngere werden darunter leiden.
  • Nur ein totaler Shutdown wird dann noch die Lage entschärfen können.
  • Weder Wirtschafts- noch Bildungssystem werden dann noch auffangen können, was versäumt wurde.

Aktuell über Lockerungen nachzudenken, ist keine Option. Warum man in einigen Ministerien der Meinung ist, mit den Schulöffnungen erneut einen eigenen Weg gehen zu wollen, obwohl alle Fakten für eine Weiterführung der aktuellen Lockdown-Stragie sprechen, ist vielen unbegreiflich.

Gleiches gilt für den kompletten Verbrauch der vorhandenen Impfstoffe zur Erstimpfung, obwohl eine Lieferung für eine zeitnahe Zweitimpfung derzeit nicht garantiert werden kann. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Impflingen ist das nicht. Auch die möglicherweise durch die Verzögerung auftretenden Neuinfektionen und daraus resultierende Mutationen scheinen den Verantwortlichen egal zu sein.

Wer auch immer Sie berät, liebe Politiker*innen, die Coronaviren werden sich nicht Ihrem Tempo anpassen… Die Zeit drängt.

zukunft-regional, 25.01.2021

 

Ergänzung (27.01.2021) : In den Pressemeldungen des Landes RLP wurde am 21. und 22.01.2021 darauf hingewiesen, dass die Zweitimpfungen gesichert wären. Verbunden mit einer an den Bund gerichteten Beschwerde hinsichtlich der Einhaltung der Lieferbedingungen. Termine für Erstimpfungen sollten demnach – aufgrund der bestehenden Planungsunsicherheit – verschoben werden.  >> zur Meldung
Weitere Meldung vom 27.01.2021

Ergänzung (28.01.2021): Deutschlandweit wurde am 17.01.2021 mit den Zweitimpfungen begonnen. Bei den Erstimpfungen liegt Rheinland-Pfalz weit vorne, die Zusicherung einer zweiten Impfung innerhalb der inzwischen von 21 auf 28 Tage verlängerten Intervalle wirft Fragen auf.

Da nur eine Zweitimpfung den gewünschte Impfschutz bringen kann und eine verzögerte oder fehlende zweite Impfung das Risko von Ausbrüchen und Mutationen erhöht, jedoch einige Länder auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene mit den Erstimpfungen vorgeprescht sind, bleibt abzuwarten, welchen Nutzen die Impfung am Ende noch haben wird und kann, sollte die Zweitimpfung nicht oder verspätet stattfinden. Es wäre schlimm, wenn aus einer politischen und wahlkampforientierten Motivation heraus Entscheidungen getroffen werden, ohne die medizinischen Folgen in vollem Ausmaß zu bedenken. Bei einem “Impfgipfel” auf eine Planungssicherheit zu pochen, macht angesichts der weltweiten pandemischen Lage und Knappheit aller erforderlicher Ressourcen keinen Sinn. Auf vielen Ebenen wurden die Organisation und der Zusammenhalt bereits auf die Probe gestellt und sowohl auf Bundes- als auch auf Länderebene wurde ein konsequentes Handeln seit Ausbruch der Pandemie versäumt. (zr- 28.01.2021)

Beitrag des SWR

Rheinzeitung

RKI

Pressekonferenz 22.01.2021
Pressekonferenz 27.01.2021

Wann neue, bzw. weitere Impfstoffe eintreffen, bleibt weiterhin offen. Bund und EU werden weiterhin vor der Aufgabe gestellt, die Lieferungen zu sichern.

 

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