Zahlen, Berechnungen, Prognosen

Verwirrende Meldungen zum Coronavirus und den Fallzahlen in den letzten Wochen führen zur Verunsicherung. Viele Faktoren spielen bei der Risikobewertung, dem R-Faktor und den Folgen eine Rolle. Die Anordnungen des RKI sollen eine Orientierung bieten.

Testen

Die Empfehlungen zur Durchführungen von Tests wurden wiederholt angepasst. Zur Erklärung wurden mehrere Gründe aufgeführt. Für eine Erhöhung der Testrate müssen Laborkapazitäten gegeben sein, Testmaterial und Personal muss verfügbar sein, die Krankenkassen müssen eine Kostendeckung zusagen, die Politik muss gestützt durch wissenschaftliche Aussagen die Notwendigkeit für Tests begründen können.  Die krankheitsbezogene Datenerhebung (Tracing-App/Corona-App/Fitnesstracker) sollen zusätzliche Informationen liefern.

Melden

Die Zahl der gemeldeten Infektionen ist zudem abhängig von der Einschätzung der Hausärzte, die an Teststationen überweisen oder selbst Tests durchführen. Covid-19 ist meldepflichtig und das Infektionsrisiko entsprechend hoch. Die Gesundheitsämter vor Ort sind beauftragt die Erhebungs- und Ergebnisdaten zeitnah an die Landesämter und das Robert-Koch-Institut zu übermitteln. Gesundheitämter vor Ort sind die Schnittstelle zwischen lokalen Ereignissen und bundesweiten sowie globalen Anordnungen. Gleichzeitig liefert die entsprechende Datenerhebung wertvolle Informationen für das gesamte Gesundheitssystem und unterstützt die regionale Entscheidungsfindung wie und ob die Balance zwischen regionaler Risikoeinschätzung und Prognosen gehalten werden kann.

Verbreitung

Eine sehr gute Grafik ( erstellt von Gary Warshaw und veröffentlicht von statista) zeigt auf, welche Bedeutung der R-Faktor auf die Virusverteilung hat.
Bei einem "normalen" Kontaktverhalten  (wie noch in den ersten Tagen der Pandemie) infizierte 1 Person in 5 Tagen 2,5 Personen und in 30 Tagen 406 Personen.
Bei einer Kontaktreduzierung um 50%  wird von 1 Person in 5 Tagen noch 1,25 Personen infiziert und in 30 Tagen 15 Personen.
Bei einer Kontaktreduzierung von 75% wird von 1 Person in 5 Tagen nur noch 0,625 Personen infiziert und in 30 Tagen 2,5 Personen.

 

 

Einschätzen

Die Reproduktionszahl ist ein Indikator für die Ansteckungsrate innerhalb eines Systems. Die regionalen Bedingungen sind jedoch entscheidend. In Gebieten mit einer hohen Infektionszahl (auch in Relation zur Einwohnerzahl) und einem hohen Bedarf an Krankenhausbetten und intensivmedizinischer Pflege müssen andere Maßnahmen getroffen werden, als in Regionen mit nur wenigen Fällen. Durch die Kontaktsperren der letzten Wochen und die Abstands- , Hygiene- und Mundschutzregeln konnte die Zahl der Neuinfektionen reduziert werden. Die Lockerungen und die wieder stärkere Mobilität - auch über Landesgrenzen hinaus - erschweren eine zuverlässige Prognose.

Infektiologen, Virologen und auch einige Wirtschaftswissenschaftler warnen vor einer zweiten Welle. Es ist sicher möglich, durch Einhaltung strenger Maßnahmen, Hygiene und Prävention das Infektionsrisiko ein Stück weit zu kontrollieren, solange das Virus jedoch noch aktiv und keine schnellwirksame Behandlungsmethode verfügbar ist, bleibt das Risiko einer neuen und in vielfacher Hinsicht riskanten neuen Erkrankungswelle allgegenwärtig.

Wenn das Gesundheitssystem die Grenzen erreicht hat, wird es richtig schwierig. Bei einer schnellen Zunahme der Infektions- und in Folge auch der Erkrankungszahlen, ist eine Versorgung, wie im März/April 2020 nicht mehr zu schaffen.

Die Lockerungen in den ersten Maitagen begannen (u.a.) mit Schulen und Läden bis 800 qm. Die jetzt geplanten Lockerungen (unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln) sind sehr viel weitreichender. Je nach Konsequenz der Verantwortlichen und Verhalten jedes Einzelnen kann der Anstieg beeinflusst werden.

Neue Regeln und weitere Lockerungen ab 06.Mai 2020

Der Grenzwert für erneute Maßnahmen und Einschränkungen soll bei max. 50 Neuinfektionen auf 100.000 Personen innerhalb von 7 Tagen liegen.

Informationen folgen!

 

Die Grafiken zeigen den ungefähren und geschätzten Verlauf  in RLP  (v. 05.05.2020) mit einem angenommenen R-Faktor von 0,75 und einem flachen und abnehmenden Verlauf. Einem relativ gleichbleibenden Verlauf mit einer höheren Infektions-, Krankenhaus- und Sterberate bei einem R-Fakor von 0,99 und eine sehr schnell und hoch ansteigende Kurve mit einem extrem hohen Anstieg an Infektionsfällen bei einem R-Faktor von 2,00 und einem damit verbundenen ebenso hohen Anstieg der Krankenhaus- und Sterbefälle. Sollte es zu dieser extrem starken zweiten Welle kommen, war die erste Pandemiephase im Vergleich dazu eine Übungssituation unter "leichten Bedingungen".

Laut Gesundheitsministerium RLP liegt der Reproduktionsfaktor R aktuell bei 0,56 - Stand 06.05.2020

 

Einhaltung der Maßnahmen

Die Gefahr einer Ansteckung wird vorerst bleiben. Mundschutz, Abstand und Hygiene sind die wirkungsvollsten Mittel zur Vorbeugung. Das soziale Miteinander hat sich bereits und wird sich weiterhin verändern. Tests, Medikamente, Impfstoffe und Apps zur Kontaktbenachrichtigung sind weltweit in Arbeit und teilweise bereits in der Erprobung. "Die" Lösung ist jedoch noch nicht gefunden. Deshalb ist weiterhin Geduld gefragt.

 

Veränderungen akzeptieren

Viele Branchen kämpfen um die Existenz der Betriebe und den Erhalt bestehender Strukturen. Vieles wird sich verändern - langfristig und nachhaltig. Das Konsumverhalten wird sich ändern, viele "Selbstverständlichkeiten" und Sicherheiten werden wegfallen. Werte werden neu definiert. Jedes Unternehmen muss sich auf die neue Situation einstellen. Digitale Lösungen gehören in vielen Bereichen dazu. Auch die Gesundheit erhält einen höheren Stellenwert, in allen Berufszweigen. Ohne entsprechende Hygienemaßnahmen wird kein erfolgreiches Arbeiten mehr möglich sein.

 

Links: Aktuelles Bulletin des RKI

 

error: Content is protected !!